Corona, ein Dschinn und meine drei Wünsche

Zauberhafter Besuch

Mich besuchte heute eine Dschinni und gewährte mir drei Wünsche.

Sie sagte: »Ich sehe es mit Traurigkeit: Eure Regierung wird angepöbelt für eine Krise, die sie nicht selbst verursacht und euch unvorhergesehen getroffen hat. Verschwörungstheoretiker beleidigen Philanthropen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, weil sie Egoismus mit dem Recht auf Freiheit verwechseln. Du darfst nun etwas dagegen tun. Nenne mir deine drei Wünsche!«

Ich war mindestens so überrascht wie ein Bettler von einer Spende am Marienplatz. Diese Gelegenheit mit gut gemeinten aber unüberlegten Wünschen zu versauen, wollte ich auf keinen Fall. Deswegen lehnte ich ab, ich schickte die Dschinni fort, ich wollte darüber nachdenken.

Ob sie wiederkommen wird, das weiß ich nicht. Doch mich lassen die drei Wünsche nicht los. Deshalb halte ich sie fest.

Erster Wunsch: Die Macht der Philosophie

Ich wünsche mir, dass sich die Menschen der Philosophie zuwenden. Sie ist stärker und älter als die Medizin, die sich aus ihr entwickelte. Sie hilft gegen den Frust, der die Menschen heute quält. Sie hilft, den Fokus endlich wieder auf sich zu stellen und um zu erkennen, wie gut es uns geht. Wie dankbar und glücklich wir sein können. Und, dass wir für unser Leben selbst verantwortlich sind.
(Einfach Einstiege: das Buch “Sophies Welt” und Ryan Holidays “Stillness is the key“)

Zweiter Wunsch: Die Trickser erkennen

Ich wünsche mir, dass die Menschen erkennen, wie sie selbst funktionieren. Wir sind alle so schlau, doch sehen wir nicht, dass wir uns selbst austricksen. Eine Kraft, die gerade am Werk ist, ist die »narrative Verzerrung«: Sie besagt, dass das menschliche Gehirn einfache Geschichten und Erklärungen eher als wahr anerkennt als die komplexere. Dadurch wird die Erklärung aber auch nicht korrekt. Unser Gehirn gibt einer kurzen, plausiblen Lüge den Vorrang über einer komplexeren Deutung der Wahrheit. Was für ein Dilemma. (siehe “Der schwarze Schwan” von Nassim Nicholas Taleb)

Dritter Wunsch: Erkennen, wie gut es uns geht

Ich wünsche mir, dass wir Menschen wieder das feiern, was wir mit der Aufklärung erreicht haben. Technologischer Fortschritt hat uns Gesundheit, Wachstum und Freiheit gebracht. Vernunft und Humanismus führten zu weniger Kriegen und Armut als jemals zuvor auf unserem Planeten. Lasst uns wieder nach den Werten Leben, die uns die Aufklärung mitgegeben hat. (siehe “Aufklärung Jetzt!” von Steven Pinker und “Schnelles Denken, Langsames Denken” von Daniel Kahneman)

 

Liebe Dschinni, das wolltest du doch, oder? Ich sollte erkennen, dass wir dich nicht brauchen.

Wir haben alles selbst in der Hand, nicht wahr?